Die präsentation!

 Mein Name ist Christoph Moerikofer und ich bin eines der Gründungsmitglieder des Vereins Zukunft.Klybeck. Der Verein ‚Zukunft.Klybeck’ hat sich zum Ziel gesetzt, der Bevölkerung in Entwicklungsprozess ‚Klybeckplus’ eine Position und eine Stimme zu geben, die es in der Form wohl so noch nicht gegeben hat. Wir haben dafür unter anderem den Beteiligungsworkshop Hack.Klybeck veranstaltet, an dem während zweieinhalb Tagen ca. 200 Personen ihre Ideen und Anliegen für ein zukünftiges Quartier in verschiedenen Gruppen entwickeln konnten. Dabei sind mehr als 25 Projekte und Ideen entstanden. Sie sind an dieser Wand da drüben im einzelnen einzusehen. Was lässt sich aus diesen 25 Projekten für ein neues Quartier herauslesen?

Zuallererst: wir präsentieren keine abschliessenden Resultate. Wir präsentieren vielmehr einen Ausgangspunkt, einen Aufbruch. Die im Workshop entwickelten Projekte sind ein Signal, dass die Bevölkerung sich als ein massgeblicher Teil und Mitspielerin eines solchen Prozesses versteht. Nicht als Laien, die auch eine Meinung haben und diese in einem vorbestimmten Rahmen kundtun dürfen, sondern als Experten: als Experten des Alltags, die wissen, wann sie wo was brauchen; was im Alltag funktioniert und was nicht.

Wie jeder Experte, jede Expertin kann die Bevölkerung nicht innerhalb von ein paar Stunden oder Tagen abschliessend zum Ausdruck bringen, wie eine Umsetzung ihrer Anliegen in der nötigen Differenziertheit aussehen könnte. Sie muss über eine längere Zeit an ihren Entwürfen arbeiten können, bis diese zur Reife kommen. Und sie muss über diesen langfristigen Rahmen selber mitbestimmen können. Das ist eines der Hauptresultate dieses Workshops.

Lassen Sie es mich als Vorschlag formulieren: Vertreter der Bevölkerung haben einen festen Platz in zukünftigen Gremien. Und es finden regelmässige Veranstaltungen statt, an denen die Bevölkerung ihre Anliegen weiter vertiefen kann, im Zusammenspiel mit der Gesamtentwicklung des Prozesses. Das ist ein Angebot, damit dieses wertvolle Wissen des Alltags wie ein Humus die Fachkenntnisse anderer Experten und Expertinnen anreichern und zum Blühen bringen kann.
Nun zu den Inhalten: Es gibt drei grosse, übergeordnete Themen, die die Experten des Alltages in diesen Dialog einbringen: Erstens: Gemeinschaftlichkeit.  Gemeinschaftlichkeit steht im Zentrum. Ob im Zusammenhang mit Wohnen oder mit der Nutzung des öffentlichen Raums: Fragen und Projekte des Alltags sollen gemeinsam gemeistert werden. Dies geschieht auf der Basis von Freiwilligkeit und in dem Grad, wie es dem Einzelnen, der Einzelnen entspricht. Das heisst, es soll die Möglichkeit zur Gemeinschaftlichkeit geben, die Infrastruktur und die Einladung dazu.
Alle Bürger und Bürgerinnen haben Wünsche, Ressourcen und Fähigkeiten. Wenn es eine gemeinschaftliche Struktur, einen ‚Marktplatz’ für diese Wünsche und Ressourcen gibt, dann ist das Potential der einzelnen BewohnerInnen am besten eingesetzt und kann seine Wirkung am stärksten entfalten. Als Beispiel dafür mag das ,Projekt ,Garten und Gastfreundschaft’ dienen, in dem gemeinsame Gartenprojekte als Gefäss für Integration und gemeinsames Lernen dienen. Aus der Gemeinschaftlichkeit folgt zweitens
2. Die Eigenverantwortlichkeit Die Bevölkerung signalisiert: sie will sich aktiv um ihren Lebensraum kümmern. Sie will eigenverantwortlich handeln. Sie sucht den offenen Dialog mit den Behörden und lädt diese ein, sich auf einen Verhandlungsprozess einzulassen. Eine entsprechende Infrastruktur wie ein selbstverwaltetes Quartiermanagement oder regelmässige öffentliche Veranstaltungen unterstützen diese Form der Selbstbestimmung, ebenso wie offen geplante Strukturen, die eine schrittweise Entwicklung zulassen und den Gestaltungseinfluss der Bewohnerinnen fördern. Das Projekt ‚Ort der Generationen’ kann als Beispiel dafür dienen: es handelt sich um einen vielfältig von der Bevölkerung mitgestalteten Platz, der als Treffpunkt dient. Die Erdgeschossnutzungen der umliegenden Gebäude sind ebenfalls öffentlich und fördern die Qualität des Platzes als eine Plattform für Austausch und Begegnung.
Das dritte übergreifende Thema lässt sich mit 3. Lokal und Sozial umschreiben. Alle 25 Projekte vereinen sich unter dem Gedanken der Nachhaltigkeit im sozialen, ökonomischen und ökologischen Sinne. Im Bereich des Wohnens bedeutet dies: es soll einen hohen Anteil an gemeinnützigem Wohnbau geben mit günstigem Wohnraum; sozialem Wohnungsbau, aber auch innovative Formen des Zusammenlebens. Es soll ein Querschnitt der gesamten Basler Bevölkerung im neuen Quartier Platz haben. Das heisst, auch hochpreisige Angebote sollen Platz haben. Durchmischung ist zentral.
Im Bereich der Produktion bedeutet Nachhaltigkeit, dass Produkte vor Ort produziert, verarbeitet und konsumiert werden. Ein Beispiel dafür ist das Projekt ,Kreislaufhaus’, ein Gebäude mit Plantagen auf dem Dach und vertikalen Plantagen an den Fassaden. In der Mitte befinden sich Verarbeitungsstätten und im Erdgeschoss findet Verkauf und Konsumation statt. Ein geschlossener Kreislauf speist den Abfall in Form von Dünger auf dem Dach wieder ein.

Das sind die drei wichtigen Themen: Gemeinschaft, Eigenverantwortung und lokal und sozial.

Hier drei Vorschläge, wie diese Themen umgesetzt werden könnten: Wir vom Verein Zukunft.Klybeck möchten erstens vorschlagen, dass wir alle gemeinsam das neue Quartier als Laboratorium betrachten, in Analogie zur historischen Nutzung des Gebietes. Ein Laboratorium, das Raum schafft für die Entwicklung und Erforschung von zukunftsorientierten Formen des Zusammenlebens und des Arbeitens, von einem innovativen Verkehrskonzept und von der Anwendung erneuerbarer Energien.
Zweitens schlagen wir im Sinne eines Ausgleichs zwischen verschiedenen Interessensgruppen vor, dass es genügend Parzellen gibt, die eine hohe Rendite ermöglichen. Es soll ein Fonds eingerichtet werden, in welchen ein Teil des Ertrages dieser Renditeobjekte fliesst, um Projekte mit ausgeprägter Nachhaltigkeit querfinanzieren zu können. Die finanzielle Investition der einen Seite findet einen Ausgleich in der Investition von zeitlichen und fachlichen Ressourcen von der anderen Seite, gegenseitige Bereicherung ist das Ziel. Voraussetzung für diese Verbindung ist, dass die Stadt Basel grosse Teile des Areals erwirbt und im Baurecht abgibt.
Und drittens: die Identität. Das beschriebene gemeinsame, eigenverantwortliche Handeln der BewohnerInnen soll dem Quartier eine deutliche Identität geben. Wünschenswert sind entsprechende architektonische Ausdrucksformen. Neben dem weitgehenden Erhalt der vorhandenen Bausubstanz sind die auffälligsten Vorschläge aus dem Workshop zum Beispiel ein Kanal von der Wiese zum Rhein, der mit einem Vaporetto als öffentliches Verkehrsmittel eine starke Ausstrahlung hätte. Oder Hängebrücken von Haus zu Haus, die das Gemeinschaftliche und Verbindende symbolisieren. Solche Strukturen fördern und verankern den Geist und die Identität des neuen Quartiers.

Einige von Ihnen mögen die Konzepte, die aus dem Workshop HackKlybeck entstanden sind, als kühn empfinden. Das ist so gemeint. Wir glauben, dass es für das neue Quartier eine grosse Freiheit des Denkens, einen Willen zum Besonderen und Freude und Lust am grossen gesellschaftlichen Entwurf braucht. Nur so wird es gelingen, eine Entwicklung im Klybeck anzustossen, die zu einem vielfältigen, inspirierenden Lebensraum führt, auf den wir am Ende alle gemeinsam stolz sein können. Stolz darauf, gemeinsam etwas Ausserordentliches geschaffen zu haben.

Jacques Herzog hat vor kurzem in einem Interview mit der NZZ gesagt: ‘Was in der Schweiz bei der Transformation unserer Städte aber fehlt, ist mehr Initiative von Bürgerseite, mehr Engagement beim Erhalt von kulturellen und gesellschaftlichen Plattformen.’ Ich hoffe, wir dürfen als reelle Antwort auf diese Feststellung gelten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Wir vom Verein Zukunft.Klybeck freuen uns darüber, wenn Sie im Verlauf der Veranstaltung mit uns Kontakt aufnehmen. Speziell danken möchten wir den Vertreterinnen und Vertretern der BASF, von Novartis und der Stadt Basel für die Möglichkeit, diese Resultate und Vorschläge hier präsentieren zu dürfen.     

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